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ICON Schweiz März 2016; S. 46/47

Der Hammer – Frau am Amboss


(...) Schon von weitem sieht man in Oberwil in Basel-Land einen hohen Kamin aufragen: In einer ehemaligen Ziegelei auf dem höchsten Punkt des Ortes hat die Schweizerin ihr Atelier. Wo bis 1997 mehr als hundert Jahre lang rote Backsteine gebrannt wurden, sind Künstler und Handwerker eingezogen. Ein Platz mit Blick in die Rheinebene über Felder und Bauernhöfe – und damit mit einer gewissen Magie. In Barbara Amstutz’ Manufaktur fügen sich Werkbänke, Hämmer, Lötbrenner, Schraubstöcke, Feilen, Amboss und Maschinen aus Stahl zu einem altmodischen Handwerkerbild. Ein ganz klein wenig riecht es nach Schwefel. Am liebsten würde sie jeden Tag herkommen und arbeiten. Deshalb hat sie sich sonntags striktes Werkstattverbot erteilt.
(...)
Die feingliedrige Barbara Amstutz und der schwere Amboss: «Er ist mein Gegenüber», sagt sie lachend. «Nie lässt er mich im Stich. Er antwortet immer.» Wenn sie arbeite, müsse es stinken und ordentlich Krach machen. Das Treiben des Silbers sei laut und monoton, ohne Gehörschutz kaum auszuhalten. «Aber jeder Hammerschlag verrät mir, ob er gut war oder nicht.» (...)
Kirchenräume und liturgische Gefässe wie Abendmahlsbecher spielen nicht selten eine Rolle bei ihrer Arbeit. (...) Vieles ist dabei zu berücksichtigen: «Wie sieht der Raum aus? Wie gross und schwer ist der Pfarrer? Wie viel muss in den Becher hineingehen?» Der im Atelier ausgestellte bauchige Kelch, der Auftrag von einer Schweizer Kirchengemeinde, schimmert tatsächlich – Verzeihung – himmlisch. Grad bricht sich das Licht in den Fassetten, die der Hammer schlug.
Wie fast alle Arbeiten ist auch der Kelch aus 925er Silber. Eine Punze auf der Unterseite, die bei Amstutz wie eine kleine dreiarmige Harke aussieht, garantiert den Feingehalt des Metalls und markiert die Herkunft des Stückes. An Silber wie überhaupt an Metall fasziniert Amstutz, die sich selbst Handwerkerin nennt, dass sie so viel damit anstellen könne: schmelzen, schmieden, feilen, sägen, es kalt und warm bearbeiten. «Ich kann es verwandeln. Das ist genial. Oder ich schmelze es einfach wieder ein und fange von vorne an.»
Hin und wieder entwirft sie auch Gebrauchssilber wie Bestecke. «Haptik, Philosophie, Handhabbarkeit, – am Ende muss alles stimmen. Aus Bechern soll man auch trinken können und er möge möglichst gut in der Hand liegen.» Schlicht, fein und geradlinig ist das achtteilige Besteck geworden. Am liebsten seien ihr allerdings die freien Arbeiten wie die Müstair-Schalen. «Da kann ich mich ausdrücken», sagt sie. Bei Gebrauchsgegenständen sei das Korsett enger.
Aber auch das Restaurieren gefalle ihr. «Das hat Geschichte. Und ich begegne bei der Arbeit quasi einem längst verstorbenen Kollegen.» Altes Silber verliere auch nach Jahren nichts von seiner Faszination: «Es bekommt Gebrauchsspuren, wird immer schöner. Silber lebt, wenn es nicht mehr frisch poliert ist.» Besonders gut kann man das alte und das neue Silber in einer bis zum 3. April laufenden Ausstellung im Basler Historischen Museum für Wohnkultur sehen. Neben den antiken Gold- und Silberarbeiten der Zünfte schlägt Barbara Amstutz mit ihren Kunststücken den Bogen ins 21. Jahrhundert.

Inge Ahrens



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