baam_head
10_10_weiss

Home
Restaurierung
Werkstattamstutz
Aktuell
KontaktEnglish_Version


BIOGRAFIE   |   PRESSE    |   KATALOGE 



PRESSEARTIKEL           zurück zur Übersicht
____________

Volksstimme – die Zeitung für das Oberbaselbiet
14. Oktober 2014, Nr. 116; S. 2


Metallenes Handwerk vom Feinsten

Reigoldswil | Barbara Amstutz ist begeisterte Silberschmiedin

Die Wahl-Reigoldswilerin Barbara Amstutz, die sich bescheiden Handwerkerin nennt, hat vor kurzem den begehrten «Prix Jumelles» für ihre hochwertigen Silberschmiedearbeiten gewonnen.


«In meiner Werkstatt muss es nach Metall riechen und vom Hämmern laut zugehen, dann fühle ich mich am wohlsten», sagt Barbara Amstutz über ihren beruflichen Alltag. Hammer, Eisen, Amboss und Lötbrenner sind ihre wichtigsten Werkzeuge, mit denen sie anspruchsvolle Alltagsgegenstände und Kunstobjekte herstellt.
Aus dem «sagenhaften» Metall Silber, aber auch aus Kupfer und Messing formt sie grosse und kleine Schalen, Bestecke, Kannen, Taufbecher und Skulpturen. Mit dem Treibhammer Silber zu einem dreidimensionalen Körper treiben, wie es in der Fachsprache heisst, das ist es, was sie ganz besonders fasziniert. Mit nicht weniger Begeisterung restauriert und repariert sie antike Gegenstände als wertvolle Zeugen vergangener Alltagskultur.
Formel-1-Rennfahrerin wollte sie werden, erinnert sich Barbara Amstutz belustigt an ihre Kinderzeit, «dabei hatte ich Angst vor dem Autofahren». Wie so oft im Leben kam alles ganz anders. Eine akademische Laufbahn konnte sie sich trotz ihrem Studium in Geschichte nicht vorstellen. Arbeiten mit Händen und Material, vor allem mit Metall, musste es sein. Und so führte sie der berufliche Weg zur Lehre als Goldschmiedin. Obwohl sie diese Ausbildung und die anschliessende Praxis keinesfalls missen möchte, liess ihr Wunsch, sich grösseren Gegenständen als Schmuck zu widmen, sie nicht mehr los. Da es in der Schweiz nur gerade zwei Lehrstellen gab, bildete sich Barbara Amstutz in Holland zur Silberschmiedin aus. 2006 eröffnete sie ihre eigene Werkstatt in Basel und vor fünf Jahren zog es sie ins Fünflibertal nach Reigoldswil.

Alles aus eigener Hand
«Die Tatsache, dass immer weniger Leute das Können und Wissen des Silberschmiede-Handwerks mitbringen, gibt mir die Möglichkeit, von meiner Tätigkeit zu leben», so Barbara Amstutz. Obwohl sie auch mit anderen Materialien arbeitet und unter anderem Metallmöbel und -lampen restauriert, befasst sie sich hauptsächlich mit Silber.
Dieses sei neben Gold am besten formbar, zudem lebensmittelecht und keimtötend. Ihre Produkte sind vom Entwurf bis zum Verkauf «Made in Reigoldswil». Bei sehr anspruchsvollen Gegenständen können auch mal gut und gerne achtzig Arbeitsstunden zusammenkommen. Und so hätten die Werke eben auch ihren Preis. (...)
Barbara Amstutz kommt immer wieder ins Staunen, wenn sie sich wertvollen Zeugen aus längst vergangener Zeit widmet. Eine silberne Teekanne, eine Wasserschöpfkelle aus Kupfer oder ein Abendmahlskelch verschafften den Zugang zur Lebenswelt unserer Vorfahren. «Man hat den Gegenstand vor sich, kann hineinschauen und sieht vielleicht die gleichen Hammerspuren, die auch ich hinterlasse», sagt sie begeistert. Fast unglaublich aus heutiger Sicht sei, wie früher das Blech selber gegossen, geschmiedet und gewalzt worden sei. Ein solch grosses metallurgisches Wissen brächten heute nur noch die wenigsten Leute mit.

«L’intelligence de la main»
Die Inspiration für ihre Arbeiten holt sich die Silberschmiedin aus der Natur oder von antiken Gegenständen. Eine wichtige Rolle spielen auch Kirchenräume und Gefässe. So ist nach intensiver Auseinandersetzung mit der Architektur der Deckengewölbe in der alten Klosterkirche St. Johann in Müstair eine Gruppe von zwölf Gefässobjekten aus Silber, patiniertem Kupfer und Messing entstanden, die einen klaren Bezug zum konkreten Kirchenraum aufweisen. Der «variantenreiche Formen- und Materialkanon» sowie die Ausstrahlung dieser Objekte haben die Fondation Jumelles veranlasst, ihr in der Kategorie «L’intelligence de la main» aus 62 Bewerbungen den begehrten Prix Jumelles 2014 zu verleihen. Barbara Amstutz ist ob dieser grossen Ehre überrascht und freut sich zugleich darüber. «Ich finde die Idee der Fondation toll, Leute zu fördern, die traditionelles Handwerk und zeitgenössische Gestaltung verbinden. Mindestens ebenso viel wert ist mir allerdings auch jede Kundin oder jeder Kunde, der mit meiner Arbeit zufrieden ist.»

Elmar Gächter


_______________________________________________________

zurück zur Übersicht «Presseartikel»